Ich glaub ich steh im Wald
Jungen in freier Wildbahn
Wir gehen in den Wald
eduarts geht mit den Jungen in den Wald. Nur mit Jungen. Außerdem dabei ist der Pädagoge und ehemalige Ausbilder bei der deutschen Bundeswehr Stephan Weißgerber (Oberleutnant d. Res.), ein bisschen Proviant, Werkzeuge, Seil, Plane und Verbandszeug sowie Kleidung und Schlafsäcke. Dann wird im Wald Zivilisation erschaffen. Damit wird den Jungen ein Umfeld geboten, in dem sie viele Dinge ausprobieren können, die sonst „nicht gehen“. Weil keine Mädchen dabei sind, muss sich niemand über Gebühr beweisen. Weil andere Jungen dabei sind, für die man mit verantwortlich ist, kann sich jeder positiv beweisen.
Die Jungen werden zusammen Bauwerke errichten, Abenteuer bestehen, Ängste überwinden, über ihre Erlebnisse reden und Natur erleben. Und neben dem Weg zum Schatzversteck werden sie vielleicht ein bisschen mehr zu sich selbst und ihrer Rolle als Mann finden. So werden die positiven Aspekte des Mannseins in einer sehr praktischen Weise honoriert: Als Erfolg und Fortschritt für die gesamte Gemeinschaft.
Hintergrund
Was ist aus den Jungs nur geworden? Studien belegen es: Jungs sind zweitklassig geworden. Der Durchschnitt der Jungen hängt schulformübergreifend hinter den Leistungen der Mädchen zurück. Zwar werden die besten Plätze noch häufig von Jungen belegt, für das Gros der männlichen Kinder und Jugendlichen heißt es jedoch: Zweiter Sieger. Es gibt auch Bereiche, in denen die Jungs klar vorne liegen: Sie neigen deutlich mehr zu offensiven Verhaltensauffälligkeiten als ihre Mitschülerinnen.
Woran liegt das?
Während in den letzten Jahrzehnten die Frauen- und Mädchenförderung dazu geführt hat, dass Mädchen ihr Leistungspotential besser ausschöpfen können als früher, ist Jungenförderung wenig betrieben worden. Jungen, so heißt es zwar, sind aktiver und machen ihren Weg. Aber die Orientierung auf dem Weg, ein Mann zu werden ist schwierig. Das liegt zum Einen an wechselnden, teils widersprüchlichen Erwartungen (hart sein aber auch weinen können, verantwortungsvoll aber auch draufgängerisch sein); zum Andern an fehlenden oder verfälschten Rollenvorbildern. Mann werden ist schwierig, wenn man nirgendwo abschauen kann. Der Großteil der Jungen wächst nämlich in vorrangig von weiblichen Bezugspersonen geprägten Umfeldern auf. Daheim, weil in vielen Haushalten immer noch die Mutter für die direkte Versorgung der Kinder zuständig ist. Fast 20% aller Kinder wachsen sogar allein bei der Mutter auf. In den Kindergärten und Primarschulen sind vorrangig Frauen beschäftigt. Bis die Kinder dem ersten leibhaftigen Mann mit Vorbildfunktion begegnen, sind sie oft schon 10 Jahre oder älter. Lediglich Väter mit Freizeit und Engagement und Sportvereine bieten praktisch einen Ausweg. Von den Jungen bewundernd nachgespielt werden jedoch in der Regel nicht Väter und Sportler, sondern die Helden aus den Medien.
Dazu kommt, dass männliches Verhalten in der Koedukation nicht nur nicht gefördert, sondern die zu einer natürlichen Entdeckung des Mannseins gehörenden Erprobungsspiele geradezu sanktioniert werden. Anstatt also den Impuls aufzunehmen und in geeignete Bahnen zu lenken werden männliche Rituale wie Kraftanwendung, laut sein, imponieren etc. häufig abgewürgt und bestraft. Wen wundert es also, dass dieser Entwicklungsschritt sich immer wieder neue und mangels geeigneter Alternativen auch destruktive Wege sucht?

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