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Lernbiografie und Lernstile (nach David Kolb) Als Lehrende arbeiten und handeln wir überwiegend mit und durch unsere Person und Persönlichkeit. Diese bewusst zu reflektieren bedeutet, unserem eigenen Lern- und Lehrverhalten auf die Spur zu kommen. Die Auswirkungen meiner (Lern-) Biographie auf meine Identität, mein Rollenverhalten, mein Kommunikationsverhalten, letztlich mein gesamtes Verhaltensrepertoire, zu verstehen, ist Voraussetzung, um als Lehrender den verschiedenen Lernansprüchen und -prozessen gerecht zu werden.
Lehren bedeutet, mit dem Widerspruch umzugehen, dass Menschen gleich und verschieden sind. Die Gegensätze werden dann erst problematisch, wenn wir davon ausgehen, mit einer homogenen Gruppe zu arbeiten, während in Wirklichkeit große Unterschiede zwischen den Teilnehmenden bestehen.
Eine unserer wesentlichen Aufgaben besteht darin, zielgerichtet individuelle Lernprozesse in Gang zu setzen. Dazu müssen wir die Mechanismen des Lernens in all ihrer Vielfältigkeit kennen. Wo können wir diese Mechanismen besser be"greifen", als in der eigenen Biografie.
Eine zentrale Rolle in unserer Lernbiografie spielen die vielfältigen Genderaspekte. Unser gesamtes Verhaltensrepertoire orientiert sich bewusst oder unbewusst an geschlechtertypischen Rollen- und Kommunikationsvorgaben, die entscheidenden Einfluss auf unser Lehrverhalten ausüben. Cornelia Schweppe schreibt dazu, dass bei "pädagogischen Fachkräften ihr berufliches Handeln wesentlich von biographischen (Alltags)erfahrungen bestimmt wird."
Lernresultate hängen eng mit den fundamentalen Unterschieden der Reaktionsmuster der Teilnehmenden auf den vermittelten Stoff zusammen. Sie haben eine für sie charakteristische und von ihnen bevorzugte Art von Lernen. Jeder Mensch hat seinen eigenen, persönlichen Lernstil, der in der individuellen Lernbiografie sichtbar wird. Lernstile sind mit ca. 14-15 Jahren sehr gut ausgeprägt und verändern sich nur noch qualitativ.
Um einen optimalen Lernprozess zu ermöglichen ist das Wissen um die eigenen Lernbevorzugungen und -vermeidungen hilfreich, denn alle Lehrenden bevorzugen einen Lehrstil, der dem persönlichen Lernstil entspricht. So wie wir lernen, so lehren wir auch. Auf dieser Grundlage gehen wir stillschweigend davon aus, dass die Lernenden so lernen, wie wir selbst lernen und bereiten uns (unserem Stil) entsprechend vor.
Die Menschen gehen jedoch sehr verschieden Wege, um dasselbe Lernresultat zu erreichen. Das Sich-bewusst-werden des eigenen (genderspezifischen) Lehrverhaltens und der verschiedenen Lernstile zeigt einerseits die Grenzen der Lehrtätigkeit auf. Andererseits eröffnet es neue Handlungsspielräume, die einem individualisierten Lehr- und Lernverständnis Rechnung tragen. |
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